Beziehungskapital. Grundgedanke

Beziehungskapital ist ein immaterieller Vermögenswert. Der Begriff bezeichnet die materialisierbare Wertschätzung (Goodwill), die ein Unternehmen in seinem sozialen Umfeld (Bezugsgruppen, Stakeholder-Gruppen) genießt. Beziehungskapital steckt die Rahmenbedingungen und Handlungsspielräume unternehmenspolitischer Entscheidungen ab (Licence to operate) und bestimmt so die Möglichkeiten des Wirtschaftens. Beziehungskapital ist stakeholderseitig in den Beziehungen zu einzelnen Bezugs-/Stakeholder-Gruppen als ein Kredit (Wertschätzung) verankert, der von einem Unternehmen unter bestimmten Bedingungen gewinnbringend in Anspruch genommen werden kann oder auch nicht. Neben Akzeptanz, welche die Grundbedingung für materialisierbares Beziehungskapital bildet, und Wertschätzung als Basisgröße bilden Prestige und Attraktivität als am Ende verhaltensbestimmende Momente die Ausgangspunkte dafür, dass es zu einer Kooperation zwischen Unternehmen und relevanten Bezugs-/Stakeholder-Gruppen kommt, die zu dessen Geschäftserfolg beiträgt, oder nicht. Erst ein ausreichend verfügbares Beziehungskapital ermöglicht die Erwirtschaftung angestrebten Realkapitals. Als Wertschätzung ist Beziehungskapital ein stakeholderseitig gewährter Vertrauensvorschuss, der von wechselseitigen Geltungsansprüchen und gemachten Erfahrungen bestimmte wird und mit Kontinuitätserwartungen (Fortschreibung der Erfahrung) verbunden wird. Der Wert von Beziehungskapital wird von der Qualität der jeweiligen Beziehungen und deren Materialisierbarkeit bestimmt. Er nimmt maßgeblichen Einfluss darauf, wie eine Stakeholder-Gruppe einem Unternehmen begegnet, gegenübertritt und ggf. mit ihm paktiert (Szyszka 2017, S. 29).

Beziehungskapital ist ein im Rahmen von Betriebswirtschaft und Unternehmensführung relativ neuer Begriff. Er entstammt der Sozialwissenschaft, gehört dort zum Begriffsfeld des Sozialkapitals und wurde dort bislang vor allem von Hartmut Esser verwendet und (2000, S. 235-268).

Literatur: Esser, H. (2000). Soziologie. Spezielle Grundlagen. Bd. 4: Opportunitäten und Restriktionen. Frankfurt a.M. Szyszka, P. (2017). Beziehungskapital. Akzeptanz und Wertschätzung. Stuttgart.

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